CyanogenMod Installer im Test: theoretisch praktisch
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Im letzten Monat wurde es offiziell: Aus dem Bastel-Projekt CyanogenMod wird ein Produkt. Ein echtes Unternehmen mit echten Millionen auf dem Konto. Bislang war die alternative Software für Android-Smartphones primär etwas für Bastler. Das Austauschen der Software des Herstellers gegen ein Custom-ROM ist mit viel Fummeln verbunden und verlangt nach tiefergehenden Computer- und Smartphonekenntnisse. Und wer schon mal einen Linux-Kernel kompiliert hat, hat erhebliche Vorteile bei der Installation.
Genau: Besonders massenkompatibel klingt das nicht. Ganz im Gegenteil. Doch die Vorteile von CyanogenMod liegen auf der Hand: Spätestens, wenn der Hersteller des Smartphones keine Software-Updates mehr ausliefert, sind Käufer der Geräte auf alternative ROMs angewiesen, wenn sie eine aktuelle Android-Version nutzen möchten. Je nach Geschmack kann Cyanogen auch ansonsten überzeugen. Die Oberfläche des Herstellers wird durch etwas ersetzt, was sich extrem nah an Vanilla Android orientiert. Noch dazu ist das System extrem an die Wünsche und Bedürfnisse des Nutzers anpassbar.
Daraus folgt: Für Lieschen Müller von nebenan ist CyanogenMod wohl auch weiterhin nichts. Aber sie stört sich vermutlich auch nicht an einer uralten Android-Version wie 2.2. Interessierte und affine Nutzer würden sich durchaus freuen – vorausgesetzt, sie bekommen die Software auf ihr Smartphone aufgespielt.
CyanogenMod Installer
Und da kommt er ins Spiel, der CyanogenMod Installer – eine App, die das Aufspielen des ROMs zum Kinderspiel und die Software des jungen Unternehmens damit massentauglich machen soll. In der Theorie klingt das genial. Aber klappt das auch in der Praxis?
Um es auszuprobieren, habe ich mich für die Aufnahme in eine Google-Plus-Gruppe beworben. Derzeit handelt es sich bei der Software noch um eine Beta-Version, die nur mit einer offiziellen Einladung des Teams im Play Store erscheint. Ich hatte Glück: Nur ein paar Stunden nach meinem Klick auf den Beitreten-Knopf der Gruppe wurde mein Wunsch erhört – ich war freigeschaltet.
Welche Geräte werden unterstützt?
Eine der entscheidenden Fragen beim CyanogenMod-Installer: Welche Tablets und Smartphones werden unterstützt? Dieselbe Komplexität, die für das Aufspielen von Custom-ROMs in Handarbeit nötig wäre, muss nämlich auch die App beherrschen.
Die Liste besteht derzeit ausschließlich aus Nexus- und Samsung-Geräten, zusätzlich wird noch das HTC One aufgeführt. Obwohl insgesamt 35 verschiedene Modelle in der geschlossenen Google-Gruppe aufgeführt werden, kommt der Installer tatsächlich nur mit einer deutlich kleineren Auswahl klar: Zwölf Geräte. Im konkreten sind das Nexus S und Galaxy Nexus, Nexus 4, 10 und 7, Galaxy S2, S3, S4 und Note sowie Note 2 – plus eben das bereits erwähnte HTC One. Allerdings gibt es von diesen Smartphones und Tablets eben verschiedene Varianten, die allesamt explizit aufgelistet sein müssen, um zu funktionieren. Beim Galaxy Note 2 beispielsweise sind das die Modelle GSM-LTE, GSM, AT&T, T-Mobile und Sprint. Wer sich nicht ohnehin intensiv mit seinem Smartphone beschäftigt, weiß vermutlich noch nicht einmal, was für ein Gerät er da genau hat. Denn eine Angabe wie "Samsung Galaxy S2" reicht nicht aus.
Die App: Kann nichts.
Nun, ich habe mich gut vorbereitet, denke ich: Vor mir liegen zwei HTC One und ein altes Nexus S. Möge das Experiment beginnen. Mit einem Klick landet die App auf dem ersten One, schnell und unkompliziert. Nach dem Start leitet sie mich durch verschiedene Einstellungs-Menüs des Telefons: Ich muss zunächst den HTC-eigenen Schnellstart-Modus aktivieren und danach den Entwickler-Zugriff über ADB einschalten.
Bei den meisten Smartphones hätte ich das auch selbst hinbekommen. Da HTC beim One die Entwickleroptionen inzwischen aber gemein versteckt (man muss unter Info -> Software-Informationen -> Mehr siebenmal auf die Build-Nummer tippen, um das Menü in den Einstellungen zu sehen), schadet die Unterstützung durch die App sicherlich nicht.
Jetzt geht es los, denke ich mir. Aber Pustekuchen. Denn der einzige Sinn und Zweck der Installer-App ist es, den ADB-Modus zu aktivieren. Danach zeigt die App eine Internet-Adresse, unter der ich ein Programm für meinen Computer herunterladen soll.
Der Installer auf dem PC
Das stellt mich zunächst vor eine Hürde: Eine Software für den Mac gibt es ebensowenig wie eine für Linux, und mein alter XP-Rechner nützt ebenfalls nix. Windows 7 aufwärts muss es sein. Hier in der Redaktion ist es kein Problem, auf die Schnelle an ein Windows-8-Notebook zu kommen, aber als normaler Anwender ist diese Hürde hoch. Hoffentlich legen die Jungs noch Software für andere Betriebssysteme nach.
Der CMInstaller, so nennt sich das Tool, sieht aufgeräumt aus – so wie die App. Das Programm bittet mich zunächst, meinen Virenscanner zu deaktivieren. Das ist die nächste harte Hürde. Kann man den Jungs vertrauen? Da es sich nicht um mein Notebook handelt, sind mir eventuelle Infektionen aber egal. Noch dazu hat ein Virenscanner bei der Überprüfung der Datei nicht angeschlagen.
CyanogenMod-Installer und das HTC One
Ich soll mein Smartphone mit dem Computer verbinden, heißt es. Gemacht. Das Ding werkelt – und enttäuscht: Mein HTC One ist nicht mit dem Installer kompatibel. Sicherheitshalber installiere ich HTC Sync, denn damit landet auch die richtige Version des ADB-Treibers auf dem Notebook. Ich versuche es erneut: Gleiches Ergebnis.
Weiter geht es mit Stefans HTC One. Die Installation der App spare ich mir und schalte ADB von Hand an und den Schnellstartmodus aus. Das Ergebnis ist jedoch identisch: Gerät nicht kompatibel. Sicherheitshalber installiere ich auch die App aus dem Play Store, aber es hilft nichts.
CyanogenMod-Installer und das Nexus S
Einen dritten Schuss habe ich noch frei: Vor mir liegt noch das Nexus S. Ein gutes Gefühl habe ich dabei allerdings nicht, denn hier habe ich schon einmal Hand angelegt – und vor knapp zwei Jahren von Hand CyanogenMod 7 installiert. Auslieferungszustand sieht anders aus. Auf der anderen Seite denke ich mir: Hier ist der Bootloader schon entsperrt, ein alternatives Recovery-ROM ist aufgespielt, Root-Rechte habe ich auch. Eigentlich entfallen mehrere Schritte für den Installer. Bin ich hier letztlich eine gute Fee, die das Programm bei der Arbeit unterstützt?
Der Installer hält mich offensichtlich eher für eine nervige Schmeißfliege. Zwar erfreut er mich erstmals mit der Meldung, dass das angeschlossene Gerät kompatibel ist und lädt nötige Daten aus dem Netz.
Aber dann soll das Nexus neu starten. Tut es auch – nur landet es in dem Recovery-ROM, das ich vor langer Zeit aufgespielt habe. Das wiederum fragt mich, was ich machen möchte, und ich kann über den Laustärkeregler verschiedene Optionen auswählen. Der Installer am PC sagt mir nicht, was ich tun soll – und egal, was ich auswähle, weiter geht nichts. Irgendwann kommt dann eine Fehlermeldung am Rechner.
Schwierige Umstände?
Zugegeben: Ganz leicht habe ich es dem Installer nicht gemacht. Eines der HTC Ones ist noch ein Vorserienmodell, und am Nexus S habe ich schon mal gespielt. Ein weiteres, kompatibles Smartphone habe ich nicht griffbereit.
Aber die Probleme habe nicht nur ich. In der Google-Gruppe des Installers häufen sich Fragen von HTC-One-Besitzern, die die gleiche Meldung erhalten wie ich: Nicht kompatibel. Es gibt aber auch genügend Berichte, nach denen die Installation problemlos geklappt hat – auch auf dem HTC One.
Es ist eben noch eine Beta. Genau deswegen bietet CyanogenMod den Installer bisher nicht offiziell im Play Store zum Download an. So etwas kann passieren.
Ausblick
Allerdings sind die Hürden hoch. Um beim Nutzer ein gutes Gefühl zu hinterlassen, muss der CyanogenMod-Installer einfach funktionieren – und die Installation ohne Probleme durchlaufen.
Es gibt wahnsinnig viele verschiedene Geräte in unterschiedlichen Ausführungen – und im schlimmsten Fall mit unterschiedlichen Software-Ständen. Ich werde sicherlich nicht die einzige Person auf dem Planeten sein, die schon ein Custom ROM auf das Nexus S aufgespielt hat.
Obwohl ich den Jungs von CyanogenMod viel Erfolg wünsche, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass man all diese Sonderfälle mit einem einzigen Programm abfangen und erfolgreich behandeln kann. Solange bleibt Cyanogen etwas für Bastler. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Kompletter Beitrag
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